1000 gute Wünsche für Max

Die 13. Typisierungsaktion der Hilfsgruppe Eifel war ein großer Erfolg – Zwei Tage vor Weihnachten kamen 1566 Menschen zum Speicheltest in die Aula des Mechernicher Gymnasiums – Der Aufruf der Pescher Junggesellen fand ein  überwältigendes Echo – Bereits 24.023 Eifeler in der weltweiten Spenderdatei – In 26 Jahren 338 Volltreffer

++++++++++++++++++++++++++

Kall/Bad Münstereifel/Mechernich – Angst, Hoffnung, Freude – Die Stimmung in der Turnhalle des Gymnasiums am Turmhof (GaT) konnte an diesem Samstag unterschiedlicher nicht sein. Denn der Anlass, der zwei Tage vor Heiligabend mehrere hundert Menschen in das Mechernicher Schulzentrum lockte, ist die lebensbedrohliche Leukämie-Erkrankung des 30-jährigen Familienvaters Max aus Bad Münstereifel. Um das Leben des jungen Mannes zu retten, muss dringend ein Stammzellenspender gefunden werden. Ironie des Schicksals: Vor einigen Jahren hat sich Max bei einer Aktion der Hilfsgruppe in Mechernich selbst typisieren lassen, um das Leben eines jungen Mannes zu retten.

In einer konzertierten Aktion setzten die Hilfsgruppe Eifel und die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) sowie Freunde und ehemalige Lehrer von Max jetzt alle Hebel in Bewegung, um einen geeigneten Spender für Max zu finden. In kurzer Zeit wurde die Typisierungsaktion organisiert, bei der 120 freiwillige Helfer im Einsatz waren. Mechernichs Bürgermeister Dr, Hans Peter Schick übernahm die Schirmherrschaft über die Aktion, bei der sich zwischen 10 und 18 Uhr 1566 Menschen typisieren ließen.Den ganzen Tag über herrschte Hochbetrien in der Aula.

„Ein tolles Ergebnis“, resümierte der Vorsitzende der Hilfsgruppe Eifel, Willi Greuel, am Abend. Und auch Micha Kreitz, Leiter des Mechernicher Gymnasium am Turmhof, war überwältigt. Max ist ein ehemaliger Schüler des Oberstudiendirektors, der die Typisierungsaktion mit DKMS und Hilfsgruppe initiiert hatte. Kreitz, der sich während der Aktion selbst als Schreibkraft mit einbrachte: „Im September hat Max noch hier am Gymnasium an einem Ehemaligentreffen teilgenommen“. Da habe noch Fröhlich

keit und heitere Stimmung geherrscht. Die Nachricht, dass bei Max die heimtückische

Krankheit ausgebrochen sei, habe die Familie und auch Freunde und Bekannte tief betroffen gemacht. Er habe dann Kontakt mit Hilfsgruppen-Schatzmeister Helmut Lanio und dem Vorsitzenden Willi Greuel aufgenommen und um Hilfe gebeten, so Micha Kreitz. Die Hilfsgruppe habe sofort ihre Hilfe zugesagt, weil die Zeit für Max, der sich derzeit in der Bonner Uniklinik einer Chemotherapie unterziehen müsse, dränge.

Innerhalb kurzer Zeit hatten Kreitz, die Hilfsgruppe und die DKMS die Typisierungsaktion organisiert und über freiwillige 120 Helfer mobilisiert. Bürgermeister Dr. Hans Peter Schick übernahm spontan die Schirmherrschaft der Aktion und sagte die Unterstützung der Stadt zu. Seitens der Schule hatte Direktor Micha Kreitz schnell 10 Kollegen sowie  rund 70 ehemalige und aktuelle Schüler des Gymnasiums als Schreibkräfte für die Datenerfassung gewinnen können. Weitere 40 Helfer wurden von der Hilfsgruppe gestellt. Mit der Durchführung der Typisierungsaktion wollten DKMS und die Hilfsgruppe nicht bis nach den Weihnachtsfeiertagen warten. Obwohl ab freitags im Gymnasium die Ausstellung einheimischer Künstler stattfand, konnte die Typisierung Dank der Stadt und der Schule an dem Samstag vor Heiligabend stattfinden. In der Presse und den sozialen Medien wurden die Menschen in der Eifel aufgerufen, sich für Max typisieren zu lassen. Die Junggesellen aus Pesch, wo Max aktiver Fußballer war, traten mit einem Appell im Eifeler Wochenspiegel eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft bei den Eifeler Jugendlichen los. Kaum einer im Kreis Euskirchen war über das Schicksal von Max nicht informiert.

Willi Greuels oft geäußerte These, dass man sich auf die Eifeler Jugend verlassen kann, sollte sich am Tag der Typisierung erneut bewahrheiten. Schon eine Viertelstunde vor Beginn der Aktion staden die ersten jungen Leute vor der Tür. Schnell waren die 32 Plätze, die für die Datenerfassung und Entnahme der Speichelproben zur Verfügung standen, besetzt.

Unter Aufsicht der DKMS-Mitarbeiterin Nicole Ruf und der DKMS-Ärztin Janine Höffer entnahmen die Spender mit Hilfe von drei Wattestäbchen  ihre Proben im Mund an den Wangeninnenseiten selbst: Eine Minute linke Seite, eine Minute rechte Seite und eine Minute beidseitig. Zum Abtrocknen wurden die drei Stäbchen mit den Proben zwei Minuten lang in der Luft gewedelt.

Abgabe von 200 potenziellen Spendern vermelden, um 12 Uhr waren es schon über 400 Proben und um 15 Uhr war die Zahl von 1000 erreicht. Der Andrang riss den ganzen Tag nicht ab, so dass die TyDe Kicker der SG Rotbachtal-Strempt pisierungswilligen zeitweise Schlange stehen mussten. Junge Familien mit Kindern, zahlreiche Feuerwehrleute, kostümierte Händler vom Mittelalter-Weihnachtsmarkt in Satzvey, Fußballer aus dem Stadtgebiet und viele Junggesellenvereine warteten geduldig vor den Entnahme-Stationen. Der Junggesellenverein Pesch kam in ebenso starker Besetzung wie die Junggesellen aus Olef. Man habe den Aufruf des JGV Pesch gesehen und sofort entschieden „Da machen wir mit“, berichtete Jan Griskewitz, der Sprecher der Olefer Jugendlichen. Auch der JGV Eicherscheid und der JGV „Alte Heimat“ Vussem waren dem Ruf der Pescher Kollegen gefolgt. Mit zahlreichen Fußballern war die Spielgemeinschaft Rotbachtal-Strempt zum Speicheltest abgetreten, ebenso Spieler der TuS Mechernich und der Jugendabteilung des SSC Firmenich. Um die Mittagszeit erschien auch der erst vor ein paar Tagen vereidigte neue Bürgermeister der Stadt Schleiden, Ingo Pfennings, mit seiner hochschwangeren Ehefrau Dorina, um sich typisieren zu lassen. Als ehemaliges Mitglied des Stadtrates Bad Münstereifel hat auch Pfennings den Wunsch, dass ein Spender für Max gefunden wird.

Was echte Freundschaft bedeutet, bewiesen Anja Dick, Karsten Bayer und das Ehepaar Nina und Andreas Vela Sanches. Die Kollegen und Freunde von Max hatten zwei Bücher vorbereitet, in die die Besucher des Aktionstages Grüße und gute Wünsche an Max niederschreiben konnten. Acht Stunden verweilte das Freundes-Quartett in der Turnhalle um all die Botschaften  einzusammeln. Am Ende war en es etwa 1000 gute Wünsche, die sie noch vor Weihnachten zu Max in die Klinik bringen wollten. „Max wäre heute hier, wenn er könnte“, berichtete sein Freund Marc Golbach, der per Handy-Chat stets mit dem 30-Jährigen in der Klinik verbunden war. Von den Videos, die Max von Golbach zugeschickt bekam, war Max beeindruckt und gerührt: „Diese Aktion kann Leben retten; wenn nicht meines, dann vielleicht ein anderes“, übermittelte der 30-Jährige nach Mechernich.

„Das ist einfach der Wahnsinn, und das zwei Tage vor Weihnachten“, staunte DKMS-Mitarbeiterin Nicole Ruf über den Menschenauflauf in der Turnhalle. Bei der DKMS sei allerdings seit vielen Jahren bekannt, dass derartige Aktionen von der Hilfsgruppe stets gut organisiert seien und immer auf große Resonanz stoßen. Die Typisierung wurde auch von der traditionellen Ausstellung der einheimischen Künstler im Foyer des Gymnasiums unterstützt. Der gesamte Erlös aus dem Verkauf von Kaffee und Kuchen fand an diesem Samstag zugunsten der Hilfsgruppe Eifel statt. Max ist der 17. Ziel-Patient, für den die Hilfsgruppe in den jetzt 13  Typisierungsaktionen in Mechernich, Flamersheim, Euskirchen, Bad Münstereifel, Urft und Hellenthal nach Stammzellenspendern gesucht hat. Bei diesen Aktionen von der ersten im Jahr 1992 bis zur jetzigen Aktion für Max haben sich 24.023 Menschen typisieren und in die Internationale Spender-Datei eintragen lassen. Willi Greuel: „In Urft haben sich beim Familienfest 2017 zwar nur 48 Menschen typisieren lassen, aber unter denen war ein Volltreffer, der im Frühjahr für einen Leukämie-Patienten gespendet hat“. Die Bilanz der Hilfsgruppe kann sich sehen lassen: Aus diesen 24 023 im Kreis Euskirchen typisierten Personen sind bis heute 338 Lebensretter hervorgegangen, die Stammzellen für leukämiekranke Patienten in 34 Ländern der ganzen Welt – von Amerika bis Indien – gespendet haben.  (Reiner Züll)