Dr. Schick machte kurze Fuffzehn

Bürgermeister ist ein Meister des Fassanstichs – Wieder war der „Zappes“ nach zwei Schlägen im Fass versenkt –  Oktoberfest zugunsten der Hilfsgruppe erlebte die elfte Auflage – Dank der Bio-Gasanlage genug Strom – Pützer: „Die Köh doon et joot“ 

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Im Festzelt auf der Lorbacher Thres-Wiese knubbelten sich auch bei der elften Auflage Hunderte von Oktoberfest-Fans. Foto: Reiner Züll

Im Festzelt auf der Lorbacher Thres-Wiese knubbelten sich auch bei der elften Auflage Hunderte von Oktoberfest-Fans. Foto: Reiner Züll

Lorbach – Es war wieder eine Stimmung wie all die zehn Jahre zuvor auf der Lorbacher “Thres-Wiese”, wo der Schmalzler-Fanklub das elfte zünftige Oktoberfest zugunsten der Hilfsgruppe Eifel veranstaltete. Das Festzelt war wieder knubbelvoll, wo man hinsah entdeckte man die Gäste in schicken Dirndl-Kleidern oder Lederhosen. Krachen lassen hatten es zuvor die Nettersheimer Böllerschützen, die schon seit elf Jahren dabei sind, und die während des obligatorischen Festzuges durch den Ort das Oktoberfest mit lauten Böllerschlägen anschießen.

Und dann die Hände zum Himmel: In Lorbach haben die Schmalzler seit elf Jahren eine starke Fangemeinde im Rücken. Foto: Reiner Züll

Und dann die Hände zum Himmel: In Lorbach haben die Schmalzler seit elf Jahren eine starke Fangemeinde im Rücken. Foto: Reiner Züll

In den Dienst der guten Sache stellte sich wieder der Mechernicher Bürgermeister und Schirmherr der Benefiz-Veranstaltung, Dr. Hans-Peter Schick, dem es vorbehalten war, mit den Organisatoren Manni Kreuser und Hermann-Josef Koch das erste Fass Münchener Oktoberfestbier anzuschlagen. Auch im elften Jahr seiner Schirmherrschaft machte Schick beim Fassanstich „kurze Fuffzehn“  und versenkte den Zappes mit zwei gezielten Schlägen im Fass. Der Bürgermeister hat bisher nie mehr als zwei Schläge gebraucht und damit seinen großen Vorbildern in München nichts nachgestanden.

Entertainer Julian Heldt brachte die Besucher mit seinen Partykrachern und „kölschen Tön“ in Wallung. Foto: Reiner Züll

Ein Meister im Fassanstich: Noch nie hat Bürgermeister Dr. Schick mehr als zwei Schläge gebraucht. Foto: Reiner Züll

Den Ausruf „O’zapft is“ verband Dr. Schick mit der Aufforderung an das durstige Gaudivolk, beim Trinken ordentlich zuzuschlagen, denn es gehe ja schließlich um einen guten Zweck. Zusammen mit dem Hilfsgruppenchef Willi Greuel bedankte sich der Bürgermeister bei den Organisatoren, die für die Unterstützung der Hilfsgruppe eine äußerst beliebte Kultveranstaltung geschaffen hätten.

Dank richteten Schick und Greuel auch an die Volksmusiker der „Schmalzler“ aus dem Bayerischen Wald, die sich ebenfalls seit elf Jahren in den Dienst der guten Sache stellten. Bis auf den Frontmann Max Fenzl waren die Musiker in der Nacht aus Passau nach Lorbach angereist, wo sie am Morgen von Max Fenzl erwartet wurden. Der hatte sich nämlich schon am Mittwochmorgen auf den Weg in die Eifel gemacht – teils mit dem Zug und teils mit dem Fahrrad.

Am Donnerstag, so berichtete Max stolz, sei er dann mit seinem E-Bike 80 Kilometer durch die Eifel geradelt. Ermüdungs-Erscheinungen  waren bei dem Vollblutmusiker freitags jedoch nicht  zu spüren. Die Schmalzler mit Max Fenzl, Robert Prosser, Karl Wirkert, Joe Eckerl und Fabian Fenz  hatten das Publikum schnell auf Betriebstemperatur gebracht. Mit seinem Dauerschlachtruf „Die Gläser hoch“ zündete Stimmungskanone Max Fenzl beim Publikum immer wieder das Trinklied „Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit…“.

Doch keinesfalls überwiegt bei den Auftritten der fünf Musiker, die schon Konzerte außerhalb von Europa in Amerika, Kanada, Puerto Rico und Australien gespielt haben, die bayerische Blasmusik. Aus den braven Volksmusikern können in „Null-Komma-Nix“  röhrende Rocker mit 30jähriger Bühnenerfahrung werden, wie sie in Lorbach eindrucksvoll bewiesen.

Verstärkt wurden die Schmalzler auch in diesem Jahr von dem Sötenicher Entertainer Julian Heldt, der die Besucher mit seinen Partykrachern und „kölschen Tön“ in Wallung brachte. Mittendrin auf der Tanzfläche auch ein älteres Ehepaar aus Solingen. Beide, 79 Jahre alt, stellten eindrucksvoll unter Beweis, dass sie mit fast 80 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Für das leibliche Wohl mit Wies’n-Spezialitäten hatte Fanclub-Mitglied Hubert Koch reichlich gesorgt. Bayerische Haxen mit Kartoffelpüree und Sauerkraut, Leberkäse und Brezeln fanden dankbare Abnehmer. Ebenso gefragt waren die kleinen Fläschchen mit hochprozentigem Penninger-Blutwurz aus dem Bayernwald, die bei keinem Konzert der Schmalzler fehlen darf.

Bis weit nach Mitternacht herrschte im Festzelt ausgelassene Stimmung und die Schmalzler spielten eine Zugabe nach der anderen. Strommangel wie vergangenes Jahr hatte der Lorbacher Fanklub diesmal nicht, obwohl es im Vorfeld Probleme gegeben habe, berichtete Elektromeister Helmut Pützer am Abend. Obwohl die ene in Kall als Stromversorger nach dem Dilemma im letzten Jahr in Lorbach einen Transformatoren-Austausch vorgenommen hatte, habe ihm ein Mitarbeiter der ene eine ausreichende Stromversorgung in dem etwas vom Dorf abgelegenen Festzelt nicht garantieren können.

Landwirt Helmut Dahmen, der nahe der Thres-Wiese eine Biogas-Anlage betreibt, habe die Situation gerettet, indem er sich bereit erklärt habe, das Festzelt direkt aus der Anlage mit ausreichend Biostrom zu versorgen. Organisator Manfred Kreuser: „Dafür sind wir Helmut Dahmen mehr als dankbar“. Und auch Elektromeister Helmut Pützer war zufrieden als auch nach Stunden der Bio-Strom noch problemlos floss: „Die Köh doon et joot“, freute sich der Stromexperte.                                         (ReinerZüll)